19.05.2026
Hof Schützenkamp - Tag 1
Es ist Montag, der 13.04.2026. Gegen Mittag fahre ich auf der A45 Richtung Frankfurt.
Ich bin auf dem Weg zu meiner ersten WOOFER Helfer Woche. Diese findet statt, auf dem Demeter Biohof Schützenkamp in Birken-Honigsessen in der Nähe von Siegen. Ich hatte diesen Aufenthalt schon lange vorher gebucht und geplant. Dementsprechend bin ich ein wenig aufgeregt, über das, was mich dort erwartet.
Meine Intention dabei war, Erfahrungen in Sachen Pflanzen, Ernten und auch im handwerklichen Bereich zu sammeln.
Denn das waren alles Fähigkeiten, die ich bislang in meinem Leben nicht wirklich mitbekommen habe. Dieses Leben geht immerhin schon 54 Jahre.
Gegen 15 Uhr bin ich auf dem Hof angekommen und wurde teils herzlich (Marie & Sebastian), teils argwöhnisch (zwei wirklich sehr große Hütehunde), weil bellend in Empfang genommen wurde. Dieses Ritual der beiden Vierbeiner sollte sich über die nahezu komplette Woche nicht mehr verändern.
Nach einem kurzen Kennenlernen, hat mir Sebastian, der schon auf dem Hof seiner Eltern aufgewachsen ist, zunächst mal meine Unterkunft gezeigt. Dabei handelte es sich um einen kleinen Wohnwagen, der links von der Zufahrt auf dem Hof unter einem Scheunendach stand. Er hatte wirklich nicht viel Platz, war aber grundsätzlich für die Zwecke eines Helfers auf dem Hof völlig ausreichend. Allerdings befand sich keine Chemie im Klo des Wagens, so dass es bedeutete, der Toilettengang müsste in das Haupthaus erfolgen, was sich doch als schwierig und eher hinderlich herausstellte. Den Komfort der eigenen Toilette / Dusche hätte ich gerne gehabt. Ansonsten hat der Wohnwagen tatsächlich ausgereicht. Das Bett war groß und bequem genug. Ebenso die Garderobe, die in einem kleinen Schrank untergebracht war. Meine Sachen konnte ich also alle problemlos verstauen.
Danach bin ich arbeitsbereit (Wille und Kleidung waren angepasst) wieder in die Küche des Hauses, der sich speziell zu den Mahlzeiten, als Treffpunkt der Familie und der Helfenden auf dem Hof herauskristallisierte. Dort wurde gegen Mittag ein Spätstück und am Abend gegen 19.30 Uhr eine warme Mahlzeit eingenommen. Die im Übrigen täglich jemand anderes aus der großen Familie der Besitzer zubereitet hat.
Die Familie besteht aus Marie & Sebastian, dazu kommen die jeweiligen drei Kinder der beiden, inzwischen zwei Partner zweier Kinder macht zehn, dazu gesellen sich noch Die Mutter von Marie und die Eltern von Sebastian, was die Patchwork-Familie auf dreizehn Menschen anwachsen lässt. Dazu noch ein Woofer, der hier auch regelmäßig auf dem Hof zu finden ist und donnerstags und freitags die Erntehelfer Anna Sophie und Edit. So können schon mal sechzehn Menschen abends am Tisch sitzen. In meiner Zeit fielen noch vier weitere Jugendliche Austauschschüler aus Frankreich, die ebenfalls bei der Mahlzeit abends dabei waren. Also ganz schön was los auf dem Hof.
Meine erste Aufgabe bestand darin, den Bauwagen weiter mit Holz zu verkleiden. Diesen zeigte mir Sebastian und gab mir die nötigen Werkzeuge dazu. Holzlatten, eine wirklich gute Handsäge, Schrauben, einen Akkuschrauber, einen Zollstock und einen Bleistift zum Anzeichnen. Er erklärte mir kurz, wie er die Latten angeordnet haben möchte und ich legte los. Natürlich etwas ungewohnt für mich, da ich, wie oben bereits erwähnt, handwerklich nicht wirklich viel in meinem Leben gearbeitet hatte, konnte ich mich doch ziemlich schnell an diese Arbeit gewöhnen und sie begann mir sehr schnell Spaß zu machen.
Der Ablauf war: Schauen wo die Holzlatte hinkam, anhalten der Holzlatte, anzeichnen wo gesägt werden muss, die gekürzte Holzlatte an die Stelle halten, die dafür vorgesehen ist und dann mit genügend Schrauben befestigen. Die schmale Rückseite des Wagens war meine Startfläche. Die linke Seite des Wagens war bereits fertiggestellt.
Nach zwei Arbeitsstunden und der Hälfte der Rückseite, war mein erster Arbeitstag bereits wieder vorbei, denn gegen 19 Uhr ging es an die Vorbereitung des Essens, wo ich ebenfalls täglich gerne mitgeholfen habe. Also umziehen, waschen und ab in die Küche.
Heute hat die Hausherrin Kochdienst, und es gab ein indisch anmutendes Gericht, mit viel Paprika und weiteres Gemüse, wo ich meine Schneide Künste unter Beweis stellen konnte.
Gegen 19.30 Uhr wurden dann alle vorhandenen Familienmitglieder zusammengetrommelt und das Essen konnte beginnen. Es war sehr lecker und wir konnten uns dann in kleinen Gesprächen ein bisschen näher kennenlernen. Ich merkte schnell, dass ich nicht der erste Wooferer war, der diesen Hof besuchte. Ich wurde schnell, sehr herzlich aufgenommen und wurde wie ein Mitarbeiter, der schon lange auf dem Hof ist, gesehen und integriert.
Das hat mich sehr beeindruckt und bin nach dem Essen noch ein wenig auf der Terrasse geblieben, um mit meiner Lebensgefährtin zu telefonieren. Denn ich musste ja berichten, wie ich angekommen und der erste Tag verlaufen war. Gegen 21.00 Uhr lag ich dann auch schon in meiner Koje und bin dann irgendwann eingeschlummert. Leider mit einigen Pinkelunterbrechungen, wo mir schnell bewusst wurde, wie schön doch eine Toilette wäre. Denn ins Haupthaus zu laufen, war keine Option. Das war ca. 120m entfernt, die beiden großen Hunde würden sicher Radau machen, also in einen Busch pinkeln. Naja nach ca. 5,5 Stunden Schlaf, wurde ich schon früh wach.